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HOF·BERLIN

Hackesche Höfe

Aktualisiert am · 3 Minuten Lesezeit

Acht Höfe, ein Festsaal, Fabriketagen und rund achtzig Wohnungen auf einem Grundstück: Die Hackeschen Höfe waren bei ihrer Eröffnung 1906 eine Ausnahme und sind heute der bekannteste Hof der Stadt.

Erster Hof der Hackeschen Höfe mit geschwungener Fassade aus blau und weiß glasierten Klinkern
Der erste Hof mit den glasierten Klinkerfassaden nach Entwürfen von August Endell. Bild: HerrAdams, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Lage und Größe

Die Hackeschen Höfe liegen in der Spandauer Vorstadt im Ortsteil Mitte, direkt am Hackeschen Markt. Der Haupteingang ist an der Rosenthaler Straße 38, ein zweiter Zugang führt zur Sophienstraße. Für den Bau wurden mehrere Grundstücke zusammengelegt, so dass eine Fläche von rund 9.200 Quadratmetern entstand. Darauf gruppieren sich die Gebäude um acht Höfe, die ineinander übergehen.

Den Namen verdanken die Höfe dem Platz davor. Der Hackesche Markt wurde im 18. Jahrhundert angelegt und nach dem Stadtkommandanten Graf von Hacke benannt, den Friedrich der Große mit der Bebauung des Viertels beauftragt hatte.

Bau und Idee

Die Eigentümer, die Erben des Glasfabrikanten Quilitz, ließen 1905 die alten Gebäude abreißen. Nach Plänen des Architekten und Bauunternehmers Kurt Berndt entstand in den Jahren 1906 und 1907 die größte Wohn- und Gewerbehofanlage Deutschlands. Eröffnet wurde sie am 23. September 1906.

Neu war die Verzahnung. Im ersten Hof lagen ein Festsaal und ein Weinlokal, im zweiten und dritten Hof Fabriketagen, in den hinteren, grüneren Höfen Wohnungen mit Balkonen, Bädern, Innentoiletten und Zentralheizung. Das war für Mietwohnungen dieser Zeit ungewöhnlich gut. Die Höfe wurden so angelegt, dass Luft und Licht von den benachbarten Friedhöfen hereinkommen konnten, und es gab Pflanzen, Brunnen und einen großen Sandkasten. Dahinter stand der Geist der Lebensreform um 1900.

Endells erster Hof

Den ersten Hof gestaltete der Architekt und Designer August Endell. Seine Fassaden aus glasierten Klinkern in Blau, Weiß und Braun bilden geschwungene Bänder und Muster, die man heute dem Jugendstil zurechnet. Die Straßenfassade dagegen bekam ein ganz anderes Gesicht, überladen und wilhelminisch, mit Obelisken und Figuren. Sie wurde in der DDR-Zeit entfernt und 1997 in Anlehnung an das Vorbild neu gestaltet.

Im ersten Hof lagen auch die Neumann'schen Festsäle, in denen Familienfeiern, Vereinsfeste und Firmenjubiläen stattfanden. Hier gründete sich der „Neue Club“, ein Kreis expressionistischer Dichter. Die Innenräume von Endell sind größtenteils verloren, die Hoffassaden blieben erhalten.

Historisches Schwarzweißfoto eines geschwungenen Treppenhauses mit verziertem Geländer
Treppenhaus an der Südseite des ersten Hofs, historische Aufnahme. Bild: unbekannt, gemeinfrei, Wikimedia Commons

Vom Gewerbehof zum Volkseigentum

Gearbeitet wurde in den Höfen in großer Vielfalt: Herrenkonfektion, Handschuhe, Pelze, Musikinstrumente, Metallwaren, Büromöbel, dazu eine Bankfiliale und Großhändler. Auch jüdische Einrichtungen wie ein Mädchenheim des Jüdischen Frauenbundes hatten hier Räume. Nach dem Ersten Weltkrieg zogen viele Firmen fort. Bis 1945 nutzte ein Kaufhauskonzern große Teile als Zentrale, Kantine und Lager.

1951 wurden die Höfe Volkseigentum, 1977 kamen sie unter Denkmalschutz. Gepflegt wurden sie in der DDR kaum. Dass die Fassaden im ersten Hof erhalten blieben, ist auch den Mietern zu verdanken, die sich um 1950 gegen ihre Zerstörung wehrten.

Sanierung und Gegenwart

Nach der Wende gründete sich 1991 ein Verein zur Förderung urbanen Lebens in den Hackeschen Höfen. 1993 wurde die Anlage an die Erben der früheren Eigentümer zurückgegeben und 1994 an einen Investor verkauft. Bis 1997 wurde sie aufwendig saniert, mit dem Ziel, die Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Kultur zu erhalten.

Heute arbeiten in den früheren Fabriketagen vor allem Büros und Agenturen, in den Läden werden Design und Handwerk verkauft. Die Höfe sind eine der bekanntesten Adressen Berlins und entsprechend voll. Wer es ruhiger mag, kommt früh am Vormittag.

Einen Kontrast bietet das Haus Schwarzenberg gleich nebenan, dessen Hof mit Streetart bedeckt ist. Dort befinden sich unter anderem das Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt, das an einen Bürstenmacher erinnert, der jüdische Beschäftigte vor der Deportation zu schützen versuchte, und das Anne Frank Zentrum. Weitere Höfe in der Nähe sind die Heckmann-Höfe an der Oranienburger Straße. Wie die Mischung von Wohnen und Arbeiten entstanden ist, erklärt der Beitrag über die Berliner Mischung. Mehr Details zur Baugeschichte stehen bei Wikipedia.

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