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HOF·BERLIN

Riehmers Hofgarten in Kreuzberg

Aktualisiert am · 3 Minuten Lesezeit

Zur selben Zeit, als anderswo Hinterhof an Hinterhof gereiht wurde, baute Wilhelm Riehmer in Kreuzberg einen Hof, durch den eine kleine Allee führt. Er zeigt, wie anders die Gründerzeit auch hätte aussehen können.

Platane und Bäume vor einer hellen Gründerzeitfassade in Riehmers Hofgarten
Im Innenhof von Riehmers Hofgarten. Bäume und Vorgärten statt enger Höfe. Bild: JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Lage

Riehmers Hofgarten liegt in Kreuzberg, mit dem Haupteingang an der Yorckstraße gegenüber dem Rathaus Kreuzberg. Nach Süden reicht die Anlage bis zur Hagelberger Straße. Das Gebiet gehörte zur Tempelhofer Vorstadt, deren Straßen im Hobrecht-Plan festgelegt worden waren. Die Gegend war damals stark militärisch geprägt, es gab Kasernen und Exerzierplätze in der Nähe.

Ein Hof als Straße

Der Bauherr und Architekt Wilhelm Riehmer entwarf die Anlage gemeinsam mit Otto Mrosk. Gebaut wurde sie in den Jahren 1891 und 1892. Riehmer nutzte die Tiefe des großen Blocks anders als die meisten seiner Zeitgenossen. Statt Seitenflügel und Quergebäude hintereinander zu stapeln, legte er durch das Innere des Blocks eine private Straße, die wie eine kurze Allee wirkt. Die Häuser stehen links und rechts mit Vorgärten, die Fassaden zum Hof sind genauso aufwendig gestaltet wie die zur Straße.

Gerade das ist der Unterschied zur Mietskaserne. Dort gab es eine schöne Seite, die zur Straße, und dahinter die schmucklosen Hofwände. In Riehmers Hofgarten gibt es keine Rückseite. Wer durch die Toreinfahrt an der Yorckstraße geht, betritt eine kleine Stadt im Block.

Stil und Bewohner

Die Fassaden tragen reichen bauplastischen Schmuck mit Anleihen aus Romanik, Renaissance und Barock, typisch für den Historismus. Die rund 300 Wohnungen waren für eine gut verdienende Mittelschicht gedacht: Kaufleute, Handwerker und Offiziere der nahen Regimenter.

Diese Bewohnerschaft änderte sich nach dem Ersten Weltkrieg, als die Inflation die Ersparnisse der Mittelschicht vernichtete. 1923 verkauften die Erben Riehmers die gesamte Anlage.

Riehmer in der Nachbarschaft

Wilhelm Riehmer hat die Gegend auch außerhalb des Hofgartens geprägt. Das Eckhaus Mehringdamm 40 stammt schon aus dem Jahr 1868 von ihm, das Haus Yorckstraße 89a baute er 1896/97 wieder zusammen mit Otto Mrosk. Beide stehen unter Denkmalschutz. Die Yorckstraße selbst konnte erst ab 1886 in voller Länge angelegt werden, nachdem die Eisenbahngleise im Westen hochgelegt worden waren. Daraus entstanden die Yorckbrücken, eine lange Reihe von Eisenbahnbrücken, die heute zum Park am Gleisdreieck führen.

Wer den Hofgarten besucht, sollte deshalb ein paar Minuten für die Umgebung einplanen. Das Rathaus Kreuzberg gegenüber, die Fassaden der Yorckstraße und die Brücken ergeben zusammen ein gutes Bild davon, wie dieser Teil Kreuzbergs zwischen 1860 und 1900 entstanden ist.

Krieg, Restaurierung, Kino

Im Zweiten Weltkrieg wurde der linke Flügel vollständig zerstört. Seit 1953 steht das Ensemble unter Denkmalschutz, zwischen 1963 und 1974 wurden die Fassaden aufwendig restauriert. In der Zeit, als anderswo in West-Berlin ganze Altbaublöcke abgerissen wurden, war das ein bemerkenswertes Bekenntnis zum Gründerzeitbau.

An der Stelle des verlorenen Flügels entstand 1985/86 ein Neubau, in dem Kinosäle untergebracht wurden, das Yorck und das New Yorck. Im Hof steht eine fünf Meter hohe abstrakte Bronzeskulptur von Gerson Fehrenbach. Im Gebäude neben dem Eingang an der Yorckstraße gab es lange ein Hotel, das 2020 schloss.

Streit um die Zukunft

In den letzten Jahren war Riehmers Hofgarten Gegenstand von Auseinandersetzungen zwischen Eigentümern und Bezirk, etwa um Leerstand und um Pläne, Hotel und Kinosäle in Wohnungen umzuwandeln. Im Januar 2020 wurde die Anlage dem Erhaltungsgebiet Hornstraße zugeordnet und steht seitdem unter Milieuschutz. Das soll verhindern, dass die Bewohnerschaft durch Luxusmodernisierungen verdrängt wird.

Besuch

Die Anlage ist ein Wohnort. Wer sich die Allee und die Fassaden ansehen möchte, sollte sich ruhig verhalten und nicht in Hauseingänge oder Vorgärten gehen. Vom U-Bahnhof Mehringdamm sind es nur wenige Minuten. Tipps, wie man sich in Wohnhöfen verhält, stehen im Beitrag Höfe entdecken. Wer Vergleiche mag, sollte danach den Meyers Hof nachlesen, der knapp zwei Jahrzehnte früher im Wedding entstand.

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