Heckmann-Höfe
Zwischen dem alten Postfuhramt und der Neuen Synagoge öffnet sich an der Oranienburger Straße ein Durchgang, der bis zur Auguststraße führt. Die Heckmann-Höfe sind kleiner und stiller als ihre berühmten Nachbarn, und ihre Geschichte reicht weiter zurück.

Lage
Die Heckmann-Höfe liegen in der Spandauer Vorstadt in Mitte. Sie erstrecken sich von der Oranienburger Straße 32 bis zur Auguststraße 9, ein weiterer Zugang führt zur Tucholskystraße. Das Ensemble besteht aus drei Höfen: Der vordere und der hintere sind von Wohnhäusern eingefasst, im mittleren Hof und in den Erdgeschossen liegen Gewerberäume. Die meisten Gebäude stehen unter Denkmalschutz.
Von der Feldmark zum Hof
Die Spandauer Vorstadt entstand ab dem späten 17. Jahrhundert auf Feldern vor dem Spandauer Tor. Für das Grundstück an der Oranienburger Straße gibt es Belege aus dem ersten Berliner Adressbuch von 1799: ein Wohnhaus mit Garten, Stallungen und Torweg. Eigentümer war ein Tischler namens Koehne. Im Hof standen eine Scheune, ein Holzschuppen und ein Tiefbrunnen, der die Bewohner unabhängig von der öffentlichen Wasserversorgung machte, damals ein echter Vorteil.
Das Geschäft des Tischlers lief gut. 1858 wurde daraus eine Holzhandlung. Für Anlieferung und Auslieferung brauchte man Pferde und Wagen, und so entstand im Hof eine Remise, geschmückt mit einem Pferdekopf. Im selben Jahr wurde das Wohnhaus an der Auguststraße gebaut, das damals die hintere Grenze bildete. Später kamen weitere Grundstücke hinzu.
Der Name Heckmann
Den Namen gab eine Familie von Kupferschmieden. Carl Justus Heckmann hatte in Alt-Berlin eine Kupferschmiede gegründet, die zu einem bedeutenden Betrieb wurde. Sein Sohn kaufte später die Hofanlage, und nach ihm heißen die Höfe bis heute. Eine Gedenktafel an der Oranienburger Straße erinnert an die Geschichte des Ortes.
Die Pferdekopfremise
Das bekannteste Gebäude ist die Remise mit dem Pferdekopf an der roten Backsteinfassade. Sie ist ein schönes Beispiel dafür, wie Hofgebäude ihre Nutzung im Lauf der Zeit wechseln. Erst Pferdestall und Wagenschuppen einer Holzhandlung, später Werkstatt und Lager, wird sie seit 2015 als Restaurant betrieben. Mehr über diesen Gebäudetyp steht im Beitrag über Remise, Werkstatt und Gewerbehof.
Mitten in der Spandauer Vorstadt
Die Höfe liegen in einem Viertel, das wie kaum ein anderes in Berlin von jüdischer Geschichte geprägt ist. Nur ein paar Schritte entfernt steht die Neue Synagoge an der Oranienburger Straße, eingeweiht 1866, mit ihrer goldenen Kuppel, die man aus dem Hof sieht. Auf der anderen Seite schließt das ehemalige Postfuhramt an, ein großer Backsteinbau, in dem früher die Pferde und Wagen der Post untergebracht waren. Zusammen mit den Remisen der Höfe erinnert er daran, wie sehr die Stadt vor dem Auto vom Pferd abhing.
Die Auguststraße auf der Rückseite ist seit den 1990er Jahren eine der bekannten Galeriestraßen Berlins. Wer die Höfe von dort betritt und zur Oranienburger Straße durchgeht, wechselt in wenigen Minuten von einer stillen Wohnstraße in eine der belebtesten Straßen von Mitte.
Heute
2014 wurde die Anlage an einen neuen Eigentümer verkauft, der sie als kleines Quartier für Handel, Gastronomie und Veranstaltungen betreibt. In den Läden findet man eher kleine Geschäfte mit eigenen Produkten als Ketten. Zu den Mietern gehört das Galli Theater. Abends werden die Höfe farbig beleuchtet.
Verglichen mit den nahen Hackeschen Höfen geht es hier ruhiger zu. Der Brunnen im mittleren Hof, die Bänke und der Blick zur Kuppel der Neuen Synagoge machen die Heckmann-Höfe zu einem guten Ort für eine Pause bei einem Spaziergang durch die Spandauer Vorstadt. Wer mehrere Höfe an einem Tag sehen will, findet Anregungen im Beitrag Höfe entdecken. Die Baugeschichte im Detail beschreibt der Artikel Heckmann-Höfe bei Wikipedia.
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