Höfe entdecken: Tipps für Spaziergänge
Die schönsten Seiten Berlins liegen oft hinter einer Toreinfahrt. Wer Höfe ansehen will, braucht etwas Neugier und ein wenig Fingerspitzengefühl, denn die meisten Höfe sind Wohnorte.

Offen, halb offen, privat
Nicht jeder Hof ist für Besucher gedacht. Grob lassen sich drei Arten unterscheiden:
- Offene Höfe: Gewerbehöfe mit Läden, Gastronomie und Kultur, die ausdrücklich Besucher empfangen. Beispiele sind die Hackeschen Höfe und die Heckmann-Höfe.
- Halb offene Höfe: Wohnanlagen, die man tagsüber durchqueren darf, etwa weil sie zwei Straßen verbinden oder Geschäfte im Hof liegen. Hier gilt besondere Rücksicht.
- Private Höfe: Hinter einer geschlossenen Haustür oder einem Tor mit Klingel endet der öffentliche Raum. Wer dort hineinwill, braucht eine Einladung.
Woran man einen guten Hof erkennt
Interessant wird ein Hof oft schon an der Durchfahrt. Gekachelte Wände, alte Lampen, eine Stufe für die Kutschenräder oder ein Schild mit „Aufgang B“ verraten, wie das Grundstück einmal organisiert war. Im Hof lohnt der Blick nach oben, zu den Brandwänden, den Kaminen, den Fensterreihen der Seitenflügel. Wer die Begriffe kennt, die im Beitrag über die Mietskaserne erklärt sind, liest jeden Hof wie einen Grundriss.
Auch Kleinigkeiten erzählen etwas: Ein zugemauertes Tor zeigt, wo früher eine Werkstatt lag. Eine hohe Einfahrt deutet auf Fuhrwerke hin. Eiserne Ringe an der Wand dienten zum Anbinden von Pferden. Und eine Remise im hintersten Hof ist fast immer ein Zeichen, dass hier einmal gearbeitet wurde.
Eine kleine Route durch die Spandauer Vorstadt
Für einen ersten Spaziergang eignet sich die Gegend rund um den Hackeschen Markt, weil hier viele Höfe dicht beieinander liegen und offen zugänglich sind.
- Start am S-Bahnhof Hackescher Markt. Über die Straße liegen die Hackeschen Höfe mit dem Eingang Rosenthaler Straße 38. Man geht durch alle acht Höfe bis zur Sophienstraße.
- Zurück zur Rosenthaler Straße und nebenan in den Hof des Hauses Schwarzenberg (Nr. 39), mit Streetart und dem Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt.
- Über die Sophienstraße, eine der ruhigsten Altstadtstraßen, bis zur Großen Hamburger Straße und weiter zur Auguststraße.
- In der Auguststraße 9 hinein in die Heckmann-Höfe und hindurch bis zur Oranienburger Straße, mit Blick auf die Kuppel der Neuen Synagoge.
Für die ganze Runde reichen ein bis zwei Stunden, mit Pausen länger. Wer weitergehen möchte, fährt danach mit der U-Bahn nach Kreuzberg und besucht Riehmers Hofgarten an der Yorckstraße.
Führungen und Hoffeste
Mehrere Anbieter und Vereine bieten Führungen zu Höfen und Hinterhäusern an, oft mit Zugang zu Orten, die sonst verschlossen sind. Das Stadtmuseum Berlin hat sich dem Thema ebenfalls gewidmet. Im Sommer laden manche Hausgemeinschaften zu Hofflohmärkten oder Hoffesten ein, die in Nachbarschaftsportalen oder auf Aushängen angekündigt werden. Das ist die beste Gelegenheit, einen privaten Hof von innen zu sehen, und zwar ausdrücklich erwünscht.
Der richtige Zeitpunkt
Vormittags unter der Woche sind die offenen Höfe am ruhigsten. Für Fotos ist das Licht um die Mittagszeit am besten, weil die Sonne dann am ehesten über die Dächer in die Höfe reicht. Im Winter liegen viele Höfe den ganzen Tag im Schatten. Am Wochenende sind die bekannten Höfe voll, die ruhigen Wohnhöfe dafür besonders empfindlich. Wer Rücksicht nimmt, wird selten weggeschickt und manchmal sogar von Bewohnern herumgeführt.
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