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HOF·BERLIN

Einen Berliner Hof begrünen

Aktualisiert am · 3 Minuten Lesezeit

Ein grauer Hof mit Mülltonnen und Fahrradständern muss nicht so bleiben. Viele Berliner Höfe sind in den letzten Jahrzehnten grün geworden, meist weil Nachbarn angefangen haben. Hier steht, worauf es ankommt.

Erst reden, dann pflanzen

Der Hof gehört in der Regel nicht den Mietern, sondern dem Eigentümer, bei Eigentumswohnungen der Gemeinschaft. Bevor jemand gräbt, bohrt oder Kübel aufstellt, braucht es deshalb eine Absprache mit der Hausverwaltung. Die meisten Verwaltungen haben nichts gegen ein paar Pflanzkübel, bei Beeten, Rankgerüsten an der Fassade oder dem Aufbrechen von Pflaster sieht das anders aus. Am besten schreibt man kurz auf, was geplant ist, wer sich kümmert und wer die Kosten trägt.

Genauso wichtig sind die Nachbarn. Ein Hof ist ein gemeinsamer Raum. Wer einen kleinen Aushang macht und zu einem ersten Treffen einlädt, findet oft mehr Mitstreiter als erwartet. Eine Hofgemeinschaft, die sich die Pflege teilt, hält länger durch als eine Einzelperson.

Die Bedingungen im Hof

Berliner Höfe sind anspruchsvolle Standorte. Sie sind oft schattig, weil vier bis fünf Geschosse ringsum das Licht nehmen. Der Boden ist verdichtet, voller Bauschutt oder ganz versiegelt. Darunter können Leitungen oder Kellerdecken liegen. Und der Hof wird genutzt, für Mülltonnen, Fahrräder, Kinderwagen und als Weg zu den Aufgängen.

Querschnitt durch einen Berliner Hof mit Beet, kleinem Baum, Kletterpflanze an der Brandwand und Mülltonnen BEET KLEINER BAUM TONNEN BRANDWAND Sonnenlicht
Schnitt durch einen Hof: Wo die Sonne hinkommt, lohnt das Beet. An der Brandwand rankt eine Kletterpflanze.

Daraus ergeben sich ein paar Grundregeln. Wege und Zugänge bleiben frei, auch für die Müllabfuhr und im Notfall für die Feuerwehr. Pflanzen werden nach Licht ausgesucht, nicht nach Wunsch. Und es lohnt sich, klein anzufangen und zu sehen, was in diesem Hof gedeiht.

Pflanzen für schattige Höfe

Kletterpflanzen sind im Hof besonders nützlich, weil sie auf wenig Bodenfläche viel Grün an die Wand bringen. Selbstklimmer wie Efeu und Wilder Wein brauchen keine Hilfe, können aber an Putz mit Rissen Schäden machen und sind schwer wieder zu entfernen. An intakten Brandwänden ohne Fenster sind sie meist unproblematisch. Bei Fassaden mit Fenstern sind Pflanzen an einem Rankgerüst mit Abstand zur Wand die bessere Wahl. In jedem Fall braucht es dafür die Zustimmung des Eigentümers.

Entsiegeln

Wo der Hof vollständig gepflastert oder asphaltiert ist, kann man über eine Entsiegelung sprechen. Ein Teil der Fläche wird aufgebrochen, der Schutt entfernt und durch Mutterboden ersetzt. Das ist mehr als Kosmetik: Regenwasser kann versickern, statt in die Kanalisation zu laufen, der Boden kühlt im Sommer und die Beete brauchen weniger Gießwasser. Weil das baulich in den Hof eingreift, ist es eine Entscheidung des Eigentümers. Berlin fördert Begrünung und Regenwassermanagement immer wieder über eigene Programme. Ob es gerade ein passendes gibt, erfährt man bei der Senatsverwaltung für Umwelt und beim eigenen Bezirksamt.

Pflege und Alltag

Die meisten Hofprojekte scheitern nicht an der Anlage, sondern an der Pflege im zweiten Sommer. Ein Gießplan im Hausflur, ein gemeinsamer Wasseranschluss und ein Schlüssel für den Geräteschrank helfen. Mulch hält die Feuchtigkeit im Boden. Robuste Stauden, die jedes Jahr wiederkommen, sind im Hof meist besser als einjährige Blumen.

Auch die Mülltonnen lassen sich einbeziehen. Eine einfache Einhausung aus Holz, bepflanzt mit Efeu, macht aus der Tonnenecke den unauffälligsten Teil des Hofs.

Vorbilder

Gemeinschaftlich begrünte Höfe haben in Berlin Tradition. In Ost-Berlin entstanden in den 1980er Jahren unter dem Motto „Macht den Höfen den Hof“ Projekte wie der Hirschhof, in West-Berlin wurden im Zuge der behutsamen Stadterneuerung viele Höfe entsiegelt und bepflanzt. Ein Beispiel für einen Hof, der von Anfang an als Garten geplant war, ist Riehmers Hofgarten. Was dort mit Geld und Planung entstand, gelingt im Kleinen auch mit ein paar Nachbarn und einem Sack Pflanzerde.

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